Stand Wetterindex: 06.06.2021, mit Wettervorhersage bis zum 15.06 (nicht alles aktualisiert); Fallzahlen teilweise bis 06.06.2021  

Vorbemerkung zur aktuellen Situation:
Die Fallzahlen gehen weiter überall zurück. Die seit Mitte März ausgeprägte Korrelation der Verläufe des Wetterindex und der Fallzahlen wird aber regional unterschiedlich schwächer. Besonders deutlich ist dies bei den Wachstumsdiagrammen (7-Tage-Differenzen) zu erkennen. Die noch leichten Peaks nach oben beim Wetterindex aufgrund der kühlen und teils feuchten Witterung im Mai gehen die Fallzahlen nicht mehr so stark mit, sind aber gerade in den letzten Tagen immer noch erkennbar. Auch die großen Unterschiede bei den Inzidenzen zwischen dem Flachländern und den Mittelgebirgslagen verringern sich..Es scheint sich die Tendenz zu verfestigen, dass sich bereits in manchen Städten/Regionen die höhere Prävalenz (Geimpfte + Genesene) bemerkbar macht. Die Zahl der Geimpften kommt inzwischen in den Bereich, bei dem dies auch zu erwarten ist. Erstaunlicherweise ist aber in einigen Regionen Ende Mai das Tempo des Absinkens der Fallzahlen etwas geringer geworden. Normalerweise wäre durch die Impfungen der umgekehrte Effekt zu erwarten gewesen. Es wird interessant sein, dies in den nächsten Wochen zu beobachten, v.a. inwieweit sich die Fallzahlen vom Wetterverlauf doch noch deutlicher abkoppeln werden. Beide Einflussgrößen könnten für ein weiteres schnnelles Absinken der Fallzahlen sorgen. Zumindest Beim Witterungsverlauf ist durch das günstige Wetter Anfang Juni eine weitere Verbesserung zu erwarten.

Entwicklung seit der 3. Märzdekade (Brechung der 3. Welle)

Etwa um den 20. März herum (also noch weit vor Ostern) wurde offensichtlich das exponentielle Wachstum der 3. Welle gebrochen, Dies ist nicht nur an den Fallzahlen, sondern auch an den anderen Kennzahlen zu erkennen, z.B. bei der Zahl der Intensivbelegung..Zu dieser Zeit begann eine für die Jahreszeit extreme Wärmeperiode mit teils sommerlichen Maximaltemperaturen, tagsüber trockener Luft und wenig Wind. Es liegt nahe, dass dieses Extremereignis eine Rolle als 'Trigger' gespielt hat. Danach schlug das Wetter komplett um und es folgte ein sehr kühler und teilweise feuchter April. Die Fallzahlen gingen nahezu synchron mit dem Wetterindex wieder deutlich hoch. In manchen Gebieten sogar so weit hoch, dass vermutlich eine weitere Einflussgröße ein Rolle gespielt hat. Um die Ostertage herum gingen die Fallzahlen aufgrund der Feiertage temporär zurück. Dies ist jedoch für den Gesamtverlauf unerheblich. Etwa ab Mitte April ließ das Wachstum der Fallzahlen synchron mit dem Wetterindex deutlich nach.

Neu:
Der Wetterindex ist für den Temperaturbereich um 0° nochmals angepasst worden. Nicht nur die Temperatur, Feuchte und Regen ist abgeschaltet, sondern auch der Wind. Die Verläufe sind dadurch v.a. im Januar und Februar besser geworden.

Korrelationskoeffizienten sind hinzugefügt worden (allerdings noch nicht in allen Regionen)

Bitte beachten:
Diese Auswertungen sind experimentell. Ob der Index tatsächlich zur Beurteilung des Infektionsverlaufs geeignet ist, sollte ggf. wissenschaftlich untersucht werden. Wenn ein solcher Index sich als Indikator bestätigen sollte, hätte er aber große Bedeutung, weil man darauf basierend eine gute Vorhersage für das voraussichtliche Infektionsgeschehen machen könnte.

Diskussion und Mitwirkung ist gerne erwünscht. Zum theoretischen Hintergrund siehe hier. Ich habe im Forum von Wetterzentrale.de ein Diskussion eröffnet. Dort werden weitere interessante Aspekte beschrieben.  Ich versuche,regelmäßig zu aktualisieren, kann es aber nicht versprechen. 

Die Wetterdaten stammen vom Deutschen Wetterdienst. Die Infektionszahlen stammen von dieser Seite. Sie beruhen auf den Zahlen des RKI. Für die Unterstützunng bedanke ich mich ganz herzlich. In den Diagrammen werden die Fallzahlen als gleit. Mittelwerte der letzten 7 Tage um 7 Tage nach hinten versetzt dargestellt. Dadurch wird ungefähr das tatsächliche Infektionsdatum simuliert. Allerdings ist dies nur etwa ab dem Jahr 2021 passend. Bei der Auswertung hat sich herausgestellt, dass der 'Best Fit' der Kurven nicht bei einem festen Versatz liegt, sondern im dagestellten Zeitraum gesunken ist. Im Herbst lag dieser noch bei 8 bis 12 Tagen und war regional unterschiedlich. Leider liegen keine Daten über die zeitliche Änderung des zeitlichen Verzugs der Meldedaten vor.  Dies ist bei der Darstellung unbedingt zu beachten.

Der Wetterindex basiert auf den Stundenwerten folgender Wetterparameter:

  • Der Temperatureinfluss ist als gewichteter Koeffizient im Bereich zwischen -0° und +25° berücksichtigt. Bei Temperaturen < 0° C oder über 25° ist der Koeffizient 0,.Der untere Temperaturbereich ist etwas stärker gewichtet (durch Potenzierung mit dem Faktor 1,5)
    Neu: Das COVID-19-Virus scheint bei Temperaturen unter 0°° weniger Wirkung zu haben. Vermutlich spielt dabei die Vereisung der Aerosole eine Rolle. Leider gibt es darüber kaum Studien, weil sich alle Forscher auf das Verhalten in Innenräumen konzentrieren. Daher ist die Temperaturkomponente unter -0°, teilweise auch schon bei 2° abgeschaltet. Der Verlauf des Index bei unter 0° ist bisher noch nicht befriedigend gelöst. Dies ist vor allem zur Zeit der Kälteperiode Mitte Februar sichtbar. Eine Verbesserung ergibt sich, wenn man den Taupunkt hinzunimmt. Unter ca- -10° scheint weider ein deutlicher Einfluss vorhanden zu sein.
  • relative Feuchte > 80, <0 abgeschaltet (=0)
  • Windgeschwindigkeit <=4 km/, bei < 0 abgeschaltet (=0)
  • Regen: gleitendes 24-h- Mittel <= 0,2 mm (Hintergrund: stärkerer Regen wäscht Aersosole aus, bei < 0 abgeschaltet(=0)
  • Nachtstunden von 23:00 bis 6:00 werden nicht berücksichtigt (Hintergrund: Die meisten Leute schlafen um diese Zeit und sind nicht unterwegs)
  • Die Kurve der Fallzahlen ist jeweils ca. 10 Tage nach hinten geschoben, da die Meldezahlen nicht den Zeitpunkt der Infektion darstellen. Damit versuche ich den tatsächlichen Infektionszeitpunkt zu simulieren. Dieser zeitliche Versatz ist Städte/Regionsspezifisch und liegt zwischen 8 und 12 Tagen ('Best Fit'). Inzwischen scheint der Meldverzug aber deutlich geringer geworden zu sein. Daher wird allgemein ein Versatz von 7-8 Tagen vorgenommen. Leider stimmt dann aber der Versatz für Zeitpunkte vor Weihnachten nicht mehr so gut mit dem Wetterindex überein.  

Die Wetterdaten des DWD enthalten Vorhersagedaten des DWD (Modelldaten). Dadurch ist ein Ausblick auf die nach Modelllage des Wetters wahrscheinliche Entwicklung der nächsten Tage möglich!

Die Städte/Regionen sind nach 2 Kriterien ausgewählt:
- Sie bilden einigermassen die Wetterregionen in Deutschland ab und
- Es werden aktuelle oder frühere Hotspots einbezogen

Anmerkung: Aus Aufwandsgründen sind nicht alle Diagrammarten für jedes Gebiet dargestellt.

1. Region Stuttgart (SK Stgt, LK BB, LB, Rems-Murr, GP, ES)

Die Referenzwetterstation ist der Flughafen Echterdingen

Zunächst wird beispielhaft der Gesamtverlauf seit dem 2.3.2020 dargestellt. Im Frühjahr und Sommer waren die Verläufe in den deutschen Städten und Regionen ähnlich. Nur die Fallzahlen waren v.a. in im März und April in Süddeutschland deutlich höher. Bei den anderen Regionen ist daher dieses Diagramm aus Aufwandsgründen weggelassen:

Index Region Stuttgart gesamt 06 06 2021

Inzwischen ist ein Vergleich mit der Frühjahrswelle möglich. Es ist erkennbar, dass im Frühjahr der Wetterindex zunächst etwas auf gleicher Höhe lag.  Im Unterschied zum aktuellen Jahr ging der Index aber bereits Anfang April deutlich zurück.

Ab dem 1.7.2020 sehen die Verläufe so aus:

Kombi Region Stuttgart 06 06 2021

Besonderheiten: Die Fallzahlen gingen im Herbst bereits vor dem Lockdown am 16.12.zurück entgegen des Trends des Wetterindex. Möglicherweise haben sich die Menschen schon vor dem offiziellen Lockdown vorsichtiger verhalten. Der Tiefpunkt wurde bereits etwa um die Zeit des Lockdowns erreicht. Danach zunächst recht gute Korrelation mit dem Wetterindex. Zu beachten ist allerdings, dass in der Weihnachtszeit die Fallzahlen zu niedrig waren. Danach deutlicher Abfall der Fallzahlen, der jedoch in der ersten Februarhälfte wieder gedämpft wird und danach wieder leicht exponentiell ansteigt. Die Fallzahlen in der ersten Aprilhälfte waren gegenüber anderen Regionen besonders hoch und übertrafen in der Spitze sogar die Dezemberwelle. Dieser starke Anstieg war auch in den mittleren Höhenlagen Süddeutschlands zu beobachten. Der grundätzliche zeitliche Verlauf ist jedoch durchaus den Verläufen in den anderen Regionen ähnlich, wie das Wachstumsdiagramm zeigt.

Gleitende 7-Tage Differenz vom 1.9.2020 bis 31.12.2020

Dieses Diagramm zeigt beipielhaft die Entwicklung der Herbstwelle in Verbindung mit den beiden Lockdowns. Der Meldeverzug ist bei diesem Diagramm mit 10 Tagen angesetzt. Es ist deutlich zu sehen, dass die 'Synchonisation' der Fallzahlen und des Index in diesem Zeitraum besser ist als bei dem vorigen Gesamtbild.

 Epid Geschehen 2020 Region Stuttgart 11 04 2021

Das Bild zeigt insbesondere, dass auch die Herbstwelle bereits deutlich früher gebrochen wurde, als allgemein angenommen. Bereits Mitte Oktober - noch weit vor dem Lockdown Light - ging das Wachstum zuück und zwar zeitlich parallel mit dem Wetterindex. Insofern ist dies eine Analogie zum Verlauf der Frühjahrswelle. Danach bestimmen die Lockdowns die Verläufe massgeblich mit - allerdings ist die 'Handschrift' des Wetters durchaus noch erkennbar. In anderen Regionen, insbesondere in den Gebirgsregionen gab es deutlich andere Verläufe.

1.1 Östl. Schwarzwald, Baar, Westalb (LK FDS, BL, VS, Rottweil, TUT)

Die Referenzwetterstation ist die Station Balingen Bronhaupten.

Kombi Balingen 06 06 2021

Besonderheiten: Die Herbstwelle baute sich stetiger auf als z.B. in den meisten Flachlandregionen. Der Wetterindex schwankt zwar, aber die Tendenz geht auch stetig nach oben. Seit Mitte März ähnlicher Verlauf wie in der Region Stuttgart. Auch in anderen mittleren Höhenlagen in Süddeutschland war diese Entwicklung ähnlich, nicht aber z.B. in der Rheinebene. Es gab zu dieser Zeit bis relativ weit herunter noch winterliche Phasen. Oft lag die Schneefallgrene z.B. bei ca. 300 bis 600 m. Inzwischen sinken die Fallzahlen kräftig - im Einklang mit der Entwicklung des Wetterindex. Dieser Einklang scheint jedoch ab ca. Anfang Mai nicht mehr so gut zu sein, Der deutliche nochmalige Anstieg des Wetterindex reichte 'nur' noch zu einem Abbremsen des Wachstums. Die Fallzahlen selbst gehen bisher weiter zuück. Wahrscheinlicher Grund: Der Fortschritt bei den Impfungen.

1.2 Region badischische Oberrheinebene

Die Referenzwetterstation ist die Station Lahr. Berücksichtigt sind alle Kreise der badischen Rheinebene von Lörrach bis Mannheim (ca. 3,3 Mio Einwohner)

 

Kombi Lahr 06 06 2021

Besonderheiten: Die Herbstwelle hat Ähnlichkeit mit der Region Stuttgart und anderen Flachlandregionen. In der Frühjahrswelle stiegen die Fallzahlen allerdings bei weitem nicht so stark an wie z.B. östlich des Schwarzwaldkammes (siehe oben). Bei den 7-Tage-Differenzen fällt der nahezu tagesscharfeparallele Verlauf von Index und Fallzahlen bis etwa Anfang Mai auf. Danach gehen die Fallzahlen nicht mehr so stark mit dem Index mit, aber immer noch gut erkennbar. Der Impffortschritt wirkt anscheinend schon, aber das Wetter spielt noch mit.

 2. Berlin 
Die Referenzwetterstation ist Tempelhof.

Kombi Berlin 06 06 2021

Besonderheiten: Ein erstaunlich hoher Korrelationskoeffizien. Die Herbstwelle scheint in der Anstiegspahse eine zusätzliche Eigendynamik gehabt zu haben. Die Frühjahrswelle läuft relativ synchron zum Wetterindex. Der Wachtumsbruch ab ca. den 20. März ist relativ deutlich zu erkennen. Bemerkenswert ist der Korrelationkoeffizient von 0,82 über die gesamte Zeit.

3. Hamburg

Die Referenzwetterstation ist der Flughafen Fuhlsbüttel.

Kombi Hamburg 06 06 2021

Besonderheit: Mehrere eealtiv deutliche Einzelwellsen erkennbar. Der Wetterindex schwankt deutlich öfter hin und her, hat aber keine so hohe Amplituden. Dies ist wohl dem maritimen Einfluss geschuldet. Das Tempo des Absinkens der Fallzahlen hat in der 3. Maidekade wieder abgenommen, nachdem das Absinken früher als in anderen Regionen begonnen hat (siehe 7-Tage Differenzen). Trotzdem sinken die Fallzahlen weiter. Dies könnte eine Indiz dafür sein, dass die Impfungen sich bemerkbar machen. Die 'Bundesnotbremse' scheint keinerlei Einfluss gehabt zu haben.

 4. Ruhrgebiet
Die Referenzwetterstation ist Essen Bredeney. Es sind nicht alle Kreise der Verwaltungsregion Ruhrgebiet berücksichtigt, insgesamt nur 2,5 Mio Einwohner

Kombi Essen 06 06 2021

Besonderheit: Auch hier stärker ausgeprägte Einzelwellen, aber nicht ganz so stark wie in Hamburg. Die Frühjahrswelle läuft auch hier besonders seit Mitte März recht synchron mit dem Wetterindex. Erst im Mai scheinen die Fallzahlen nicht mehr so gut mit der leichten Erhöung des Index mitzugehen. Allerdings ist der Wettereinfluss trotz der Impfungen immer noch spürbar.

 5. Region Chemitz / Erzgebirge / Zwickau

Die Referenzwetterstation ist Chemnitz.

 Kombi Chemnitz 06 06 2021

Besonderheit: Eine große, stark ausgeprägte Herbst/Dezemberwelle mit sehr hohen Inzidenzen. Relativ früher Beginn der Welle. Keine Wirkung des Lockdown Light erkennbar. Eine weitere wichtige Besonderheit ist, dass es bei der Kältewelle Anfang/Mitte Februar dort besonders kalt war. Die Korrelation mit dem Wetterindex ist in den letzten Wochen etwas weniger gut, aber trotz der Impfungen immer noch erkennbar. Über die gesamte Zeit liegt der Korrelationskoeffizient mit 0,77 recht hoch. Die 'Bundesnotbremse' scheint keinen Einfluss zu haben. Die Fallzahlen sanken bereits vorher deutlich.

 6. Region Traunstein, Rosenheim, Berchtesgaden (nicht mehr aktuell)
Die Referenzwetterstation ist Chieming. Diese eher ländlich geprägte Region hatte im Oktober teils hohe Inzidenzen. Die Frühjahrswelle ist viel weniger stark ausgeprägt.

Index Chieming Temp Koeff 31 03 2021

7. Region Passau, Straubing, Deggendorf (nicht mehr aktuell)
Die Referenzwetterstation ist Straubing. Diese Kreise entlang der Donau hatten bei der Herbstwelle auch hohe Infektionszahlen.

 Index Straubing 22 04 2021

Besonderheit: Keine Reaktion auf den Lockdown erkennbar. Relativ gute Korrelation mit dem Wetterindex, Allerdings ohne direkte Reaktion auf Spitzen (sowohl nach unten oder oben).Ab dem Jahreswechsel sinken der Fallzahlen zunächst kurz entgegen des Wetterindex, danach parallel mit größeren Schwankungen beim Wetterindex. Ein Einfluss hoher Feinstaub/Aersosolkonzentration in den Donausniederungen war damals zeitweise erkennbar.  Die Frühjahrswelle ist deutlich stärker ausgeprägt als im nicht so weit entfernten Südostbayern.

7. Prag (Tschechien) nicht mehr aktuell

(noch nicht aktualisiert)

Index Prag Temp Koeff 31 03 2021

8. Kanton Zürich (wird noch aktualisiert)

Kombi Zürich 06 05 2021

Besonderheiten: In der Schweiz waren die Gegenmaßnahmen verhältnismäßig schwach. Erst um Weihnachten herum gab es einen Lockdown, allerdings nicht direkt vergleichbar mit Deutschland. Leider war mir aus Zeitgründen bisher keine nähere Analyse möglich.